Was Kinder in den ersten Schulwochen in Mathematik wirklich lernen
- 22. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Jan.

Wenn Kinder eingeschult werden, haben viele Eltern ein klares Bild vor Augen: Jetzt beginnt „die Schule“, jetzt wird gelesen, geschrieben – und gerechnet.
Umso größer ist die Verunsicherung, wenn in den ersten Wochen im Mathematikunterricht scheinbar noch nicht viel passiert.
Es wird gezählt, sortiert, verglichen. Manchmal wirkt es fast so, als würde gar kein richtiges Rechnen stattfinden.
Viele Eltern fragen sich dann:
Macht mein Kind genug?
Ist es normal, dass wir noch keine Aufgaben rechnen?
Muss ich zu Hause mehr üben?
Die kurze Antwort lautet:
Ja, das ist normal. Und nein – mehr Üben ist jetzt meist nicht sinnvoll.
Warum es in den ersten Schulwochen noch nicht ums Rechnen geht
Die ersten Schulwochen sind kein Wettlauf, sondern ein Fundament. Mathematiklernen beginnt nicht mit Plus- und Minusaufgaben, sondern mit etwas viel Grundlegenderem: Verstehen.
Kinder müssen sich zunächst im Zahlenraum orientieren. Sie lernen, was Zahlen bedeuten, wie Mengen zusammenhängen und wie man Unterschiede erkennt.
In dieser Phase geht es unter anderem darum
Mengen wahrzunehmen und zu vergleichen
Zahlen einzuordnen und zu strukturieren
mathematische Begriffe kennenzulernen
Sicherheit im Umgang mit Zahlen zu entwickeln
Das sieht von außen oft unspektakulär aus – ist aber entscheidend für alles, was später kommt.
Zählen ist nicht gleich Verstehen – warum Kinder Zeit brauchen
Viele Kinder können beim Schuleintritt bereits zählen – manchmal sogar weit über 20 hinaus. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie Zahlen auch verstanden haben.
Ein Kind kann die Zahlenreihe aufsagen und trotzdem nicht sicher wissen, dass 8 größer ist als 6 oder dass die 5 aus 3 und 2 bestehen kann.
Deshalb arbeiten Lehrkräfte zu Beginn viel mit:
Zählen
Legen
Ordnen
Vergleichen
Sprechen über Zahlen und Mengen
Das Ziel ist nicht Tempo, sondern innere Klarheit.
Ist mein Kind zu langsam? Oder: Warum ein ruhiger Start wichtig ist
Gerade in den ersten Schulwochen vergleichen sich viele Eltern miteinander.„Andere Kinder rechnen schon.“ „Bei uns wird noch gezählt.“
Solche Gedanken sind verständlich, aber wenig hilfreich.
Kinder lernen Mathematik nicht gleichzeitig und nicht im gleichen Tempo. Manche sind schnell, andere gründlich. Manche zeigen ihr Können laut, andere sehr leise.
Ein langsamer, sicherer Start ist kein Zeichen von Rückstand. Im Gegenteil: Kinder, die ein tragfähiges Zahlverständnis aufbauen dürfen, haben später oft weniger Schwierigkeiten.
Mathematiklernen ohne Arbeitsblätter? Was Kinder trotzdem lernen
Lernen ist nicht immer sofort sichtbar. Gerade mathematisches Denken entwickelt sich häufig im Hintergrund.
Kinder verarbeiten neue Inhalte:
im Spiel
im Gespräch
beim Zuhören
beim Beobachten
Auch einfache Tätigkeiten im Unterricht haben eine wichtige Funktion. Sie geben Orientierung, Sicherheit und Struktur.
Nicht jedes Lernen braucht ein Arbeitsblatt, um wirksam zu sein.
Was Eltern in den ersten Schulwochen tun sollten – und was nicht
Das Wichtigste, was Eltern in dieser Phase tun können, ist: Ruhe bewahren.
Hilfreich ist:
Interesse zeigen
zuhören
nachfragen („Wie hast du das gemacht?“)
Vertrauen in den Lernprozess haben
Wenig hilfreich ist:
tägliches zusätzliches Üben
Vergleiche mit anderen Kindern
Ungeduld oder Druck
das Korrigieren jedes Fehlers
Mathematiklernen braucht Zeit – und Kinder dürfen sie sich nehmen.
Warum ein gutes mathematisches Fundament wichtiger ist als Tempo
Die ersten Schulwochen legen den Grundstein für die gesamte weitere Mathematikzeit. Wenn Kinder ohne Angst und Tempozwang mit Verständnis lernen dürfen, profitieren sie davon oft jahrelang.
Auch wenn es von außen manchmal ruhig aussieht: In diesen Wochen passiert sehr viel.
Hinweis zum Weiterlesen
Viele der Fragen, die Eltern in den ersten Schulwochen beschäftigen, begegnen uns immer wieder. Im Onlinekurs "Die Big Five zum Schulanfang" gehen wir
ausführlich darauf ein, wie Eltern ihr Kind in dieser Phase sinnvoll begleiten können – ohne Druck und ohne Überforderung.


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